Big ol‘ dirty Berlin

Zurück aus Berlin, zurück aus dem Pfingstwochenende. Vielleicht liegt’s am Alter, vielleicht liegt es an der anderen Sichtweise, weil ich mittlerweile Kinder habe, die selbst rumlaufen wollen, vielleicht ist es auch was ganz anderes, aber die Erkenntnis des Wochenendes ist: Berlin kannste mir auf den Bauch binden, ich will da nicht leben.

Leben beinhaltet ja meistens auch Wohnen. Selbst bei noch so schön renovierten Wohnungen in guter Lage, was nützt mir ein Fahrstuhl vom ersten bis zum vierten Stock, wenn ich im fünften residiere? Müsste ich täglich zwei Kinderwagen über diesen Höhenunterschied bewegen, ich liefe binnen Kürze Amok.

Unten im Treppenhaus kann man die Wagen schließlich nicht länger als eine Nacht lassen, ohne befürchten zu müssen, dass sie von Ratten zerfressen, von Idioten beschmiert oder Drogensüchtigen geklaut werden (Randnotiz Drogensucht: bei unserer Abreise beriet uns ein netter junger Mann am Gesundbrunnen bezüglich des besten Weges von dort zum Hauptbahnhof, tat’s, beugte sich vornüber und zog die Line von der Fensterbank der Fußgängerüberführung).

Darüber hinaus müsste man eigentlich den gesamten Wohnungsbestand Berlins einmal abreißen und neu bauen. OK, die hohen Decken dürfen gerne bleiben, aber ansonsten ist die Aufteilung des Wohnraums mit den erbärmlich nachgerüsteten Bädern, die kamen, als die Etagenklos außer Mode gerieten, und den prachtvoll auf Putz verlegten Leitungen und Rohren einfach nur für Studenten der unteren Semester erträglich.

Dazu die U-Bahn, die laut scheppernd um die Kurve fährt und dabei zu rufen scheint: „Das MUSS so laut. Ich bin die fucking U-Bahn, deal with it!“

Angeblich gibt’s in Berlin ja auch so viele Lastenräder. Abgesehen davon, dass ich nur eins gesehen habe, wo soll man damit fahren, und wohin? Und wo will man die Nachts parken, wenn man sie am nächsten morgen auch noch fahren will?

Und warum bleiben öffentliche Plätze unter zentimeterdicken Müllschichten liegen, garniert mit einer satten Prise scherben. Sind wir jetzt in Neapel oder was?

Und überhaupt, Dreck: in Berlin wird nirgendwo Feinstaub gemessen, weil die Messgeräte beim ersten mechanischen Atemzug aus Frust explodieren würden. Der am Boden niedergeschlagene Smog reicht aus, um ganze Salzminen schwarz auszukleiden, als dass sie da wirken würden wie Kohlegruben. Nach zwei Schritten barfuß sieht man aus wie Günther Kaufmann als Neger in einem der guten Otto-Filme: schwarze Kopf, schwarze Bauch, schwarze Füß.

In Ermangelung ausreichender Quadratmeter für angemessenes Straßenbegleitgrün – das heißt übrigens wirklich so, städtebaulicher Fachjargon – kacken Berliner Hunde einfach mitten auf den Gehweg. Hurra!

Das Berlin so hip ist, dass es weh tut, weiß sogar die Zitty. Also, Berlin, sei mal weiter hip, aber ohne mich, ja? Danke.

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