Now Start Bashing

Lobeshymnen auf die Hammer Straße. Völlig verweichlicht, könnte man meinen. Aber haha, ich kann auch anders. Jetzt wird richtig ausgeteilt. Konnte ich mit meinen Anbiederungen immerhin noch zahlreiche Sympathisanten auf den Plan rufen, wollen wir doch mal sehen, wer sich jetzt noch bekennt. Arbeiten wir uns chronologisch durch die Straße, beginnend ab Ludgerikreisel.

Gleich links geht es los mit dem mit Abstand miesesten Fahrradladen, der mir je untergekommen ist. Keine Ahnung, wie in der Speiche die Preisgestaltung ist, ich bin nie soweit gekommen, irgendetwas zu beauftragen. Der stets missmutige Mechaniker raucht den ganzen Tag Kette, weswegen die Ziervögel, die er sich in der Werkstatt hält, kaum singen, sondern nur Husten. Anfragen nach eventuellen Reparaturen werden generell mit „einen Tag muss das Rad mindestens hier bleiben“ beantwortet.

In direkter Nachbarschaft eine Filiale der Stadtbäckerei, die Samstags und Sonntags geschlossen hat. Wie dämlich ist das denn?

Der nächste Ausfall nach unten kommt an der Ecke Bernhardstraße. Was haben wir frohlockt, als der damals noch in direkter Nachbarschaft befindliche Kaiser’s die Segel strich. Der schlechteste Supermarkt der Welt schloss die Pforten und wir machten uns Hoffnung, es konnte nur besser werden.

Der denn’s Biomarkt, der ein paar Monate später eröffnete, schickte sich an, mit dem Vormieter nicht nur den Apostroph im Firmennamen gemeinsam zu haben. Das Gemüseangebot „beleidigt das Auge“ (Zitat Tresenlesen). Man kann fast nichts kaufen, das nicht vergammelt ist, bevor man den heimischen Kühlschrank erreicht. Schwarzmaler werden sagen: „das ist halt Bio“, aber wir wissen es besser, daran liegt es nicht.

Die gesamte Belegschaft ist zwar freundlich bemüht, versagt aber regelmäßig bei den einfachsten Aufgaben. Wenn man direkt nach Ladenöffnung kommt, ist grundsätzlich niemand da, um zu bedienen, da allerorts noch Regale eingeräumt werden. Dass dies in „professionellen“ Supermärkten vor und nach den Ladenöffnungszeiten geschieht, scheint sich noch nicht rumgesprochen zu haben. Zumal das Ein- und Ausräumen offenbar keinerlei Erfolg bringt: ständig findet man abgelaufene Produkte im Regal. Der Prozess, um dieses zu verhindern, nennt sich im Fachjargon „Abschachteln“. Hier: unbekannt.

Noch schlimmer ist es beim Bäcker, der einen Shop in Shop betreibt. Hier ist man jedes Mal überrascht, dass die Kunden Backwaren verlangen. Im seltensten Falle wird man unter fünf Minuten Wartezeit bedient, weil der Kunde vor einem noch auf die Vollkornbrötchen wartet, die noch nicht fertig gebacken sind, und es natürlich nicht möglich ist, während dieser Wartezeit schon mal zu gucken, ob es den nachfolgenden Kunden vielleicht nach etwas verlangt, dass kürzere Lieferzeiten hat.

Und wenn man vom Schicksal geküsst wurde, kommt man freitags in den denn’s. Dann erwartet einen direkt am Eingang ein alter Mann mit starrem Blick, der einem verschiedenste Produkte zum Probieren aufzwingt und danach mit einer Mischung aus Mitleid, Scham, Bedrängen und Beharrlichkeit dafür sorgt, dass man von dem probierten Produkt auch mindestens zwei Kilogramm kauft.

Etwas weiter der „Petite Brocante“. Was ist das überhaupt?

Danach der Konditor Mönning. Die nächste Anlaufstelle, nicht zuletzt wegen der bescheuerten Öffnungszeiten der Stadtbäckerei, wenn man des Wochenends Brötchen in die Junkerstraße holen will. Die Diensthabenden Damen sind aber regelmäßig beleidigt, wenn man etwas kaufen möchte. Glücklicherweise wohnen wir jetzt woanders. Hier im Geistviertel gibt’s Sonntags überhaupt keine Brötchen.

Wir machen einen großen Sprung noch hinter die Einmündung der Friedrich-Ebert-Straße. Hier finden wir das äußerlich vielversprechende Küchenstudio „Alma“. Doch die Diensthabenden Gelfrisuren versprechen gern eine Küche für drei- bis viertausend Euro, um nach einer mehrstündigen Beratung, für die man extra einen Babysitter organisiert hat, einen fünfstelligen Betrag als „sehr gutes Angebot“ zu präsentieren. Ohne rot zu werden.

Noch weiter stadtauswärts befindet sich ein Fahrradgroßhändler. Dort wird mit Rädern gehandelt. Mehr aber auch nicht. Niemand hat Ahnung davon, was verkauft wird, und wenn man ein Rad probefahren will, welches hinter zwei weiteren Rädern hervorgeholt werden müsste, gilt man als unverschämt.

So, da hast du’s, Hammer Straße.

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7 Kommentare

Eingeordnet unter Belanglosigkeiten

7 Antworten zu “Now Start Bashing

  1. Sandra

    Jaja, „probier’s am Freitag“. Und wenn man Pech hat, passiert einem das Gleiche auch noch am Samstag, weil der alte Mann vergessen hat, den Stand abzubauen…

  2. Sowas sollten die Ladenbesitzer eigentlich lesen um dann ihr Angebot zu verbessern. Kenne den „alten“ Mönnig noch aus den frühen 70ern und in Berg Fidel war der Bäcker immer TOP, wie auch in Kinderhaus, mit den Zweigfilialen. Die Filiale an der Hammer Str. hatte mir auch noch nie gefallen. Na und Hürter ist auch so ein old school Fall.

  3. Bernd

    Aber die Käsetheke im denns ist nicht die schlechteste, sehr Vegetarier-geeignet! (Ansonsten trifft’s du den Kern.)

  4. Ja, ich bekenne mich auch. Hat mir letzte Nacht auch keine Ruhe gelassen. Die Hammerstraße besitzt wunderbare Geschäfte, allerdings gibt es da einige Lokalitäten, die es sich zu meiden lohnt. Ich frage mich oft, wie die Eisdiele (Ecke Augustastraße) überleben kann?! Das Eis schmeckt miserabel, die Bedienung ist miserabel. Die Inhaber sind sehr unfreundlich, besonders zu der Hauptkundschaft, den Kindern. Dann mach ich mir doch mein Eis lieber selbst oder verkneife mir meinen Appetit.

  5. Pingback: Urban Arrow | lubuxlloyd

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