Schuld sind Schleimmonster

Diesem Artikel könnte man die Präambel vorwegstellen: Schuld sind nicht etwa Schleimmonster, sondern die Fernsehkonsumenten selbst, und zwar ab dem Moment, in dem sie den dummen Kasten überhaupt erst einschalten. Dem möchte ich entgegnen, dass wir diese Thematik gerne in einem der kommenden Einträge zur Genüge diskutieren können. Wenden wir uns nun wieder der überschriebenen Thematik zu.

Das Hustensaftprodukt „M“ wirbt dieser Tage, da uns heftige Stürme die Viren und Bakterien ferner Länder herbeitragen, um Verständnis dafür, warum man fest sitzenden Husten wohl so schwer wieder los werde. Zunächst sieht man freilich eine Frau herzhaft husten. Fälschlicherweise hält sie sich dabei die Hand vor den Mund, anstatt in die Armbeuge zu husten. Haben wir den alle durch die Vogelgrippe nichts gelernt?

Immerhin schneidet die Dame gerade Paprika, das Gemüse mit dem meisten Vitamin C unter den Gemüsen. Da fragt man sich allerdings auch gleich wieder, wie sie sich überhaupt so derbe erkälten konnte, bei dem Immunsystem.

Wenig später nach dieser Szene erklärt uns eine Stimme aus dem Off, warum das denn nun so ist mit dem fest sitzenden Husten und dem schwierigen wieder los werden. Sie sagt: „Schuld sind Schleimmonster!“

Und da sehen wir sie auch schon in der Lunge unserer Probandin sitzen, die kleinen Racker. Heiter feiern sie da ihre Lungenschleim-Party und freuen sich des Lebens. So kann das natürlich nicht weiter gehen. Was also ist zu tun, Off-Sprecher?

Wäre die Influenza ein Theaterstück, so stünde in den Regieanweisungen jetzt „Auftritt Hustensaft von oben durch die Luftröhre“. Leider muss man wohl annehmen, dass ein Großteil der Zuschauer in diesem Moment immer noch ganz fasziniert ist von den kleinen, niedlichen Schleimmonstern, die noch gar nichts von dem drohenden Unheil ahnen, und so nicht merkt, dass im wahren Leben der Hustensaft gar nicht in die Lunge geschüttet wird, sondern in den Magen.

Der Regisseur unseres Theaterstücks hat sich zudem entschieden, den Hustensaft nicht als flüssigen Blob darzustellen – wohl um zu große Ähnlichkeiten zu den Monstern zu vermeiden – sondern als Pfeil, gebildet aus zahlreichen orangefarbenen Kugeln. Und in der nächsten Szene folgt nun ein Spezialeffekt, der James Cameron vom Sofa aufspringen und ausrufen lässt: „Nimmer mehr will ich behaupten, Motion Capturing sei meine Erfindung und das A und O der modernen Trickfilmanimation“.

Denn siehe: die mysteriösen Kugeln verlassen den Verband des Pfeils und beginnen, um die Schleimmonster herum zu kreisen. Generäle a.D. sowie der Verteidigungsminister beginnen zu sabbern angesichts der hier offensichtlich erfundenen Superwaffe: ohne direkten Kontakt vermögen diese Bälle der Erlösung die Schleimmonster zum Abzug zu bewegen. Wahrscheinlich denken die Monster sich: „Verdammt, jetzt, wo diese Bälle hier rum sausen, ist es kaum mehr gemütlich in diesen Bronchien. Abmarsch!“

Und während die Schleimmonster geschlossen den oberen Ausgang wählen (um sich von ihrer Trägerin in die Faust speien zu lassen, auf dass sie direkt danach die Paprika weiter schneide und so ihre Kinder anstecke – denn bei so einer großen Küche lebt die Dame doch wohl kaum in einem Singlehaushalt!) lösen sich die Kugeln nach getaner Arbeit in Selbstgefallen auf.

Die Welt ist gerettet, die Lunge frei. Der verblüffte Zuschauer vergisst über den Tränen der Erleichterung beinahe sich zu merken, in welchen handelsüblichen Verpackungen und Größen der moderne Heilsbringer angeboten wird, da erschallen auch schon die ersten Töne der nervenden Musik, zu denen ein junger Mann den Gartenzwerg seiner Schwiegereltern mit der Autotür kastriert. Aber zum Glück hat er „Die Besten“ von Ferrero dabei, während „Die Anderen“ von Ferrero ungekauft im Supermarkt verdorren. Aber das ist eine andere Geschichte.

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12 Kommentare

Eingeordnet unter Belanglosigkeiten

12 Antworten zu “Schuld sind Schleimmonster

  1. Dino McFly

    Ich freue mich, dass jemand meiner Meinung ist.

  2. Also ich weiß nicht…
    ich könnte mich über ganz andere Dinge aufregen als nun ausgerechnet über diese Werbung! Im Gegenteil, ich finde sie schon fast niedlich. So dämlich wird niemand sein, wirklich an Schleimmonster zu glauben und wenn doch, dann soll er eben.

  3. Nick

    Danke, ich dachte ich bin alleine auf der Welt den diese Werbung nervt.
    Die werben für einen Hustensaft für Erwachsene mit dem Wort „Schleimmonster“, als wäre ich ein infantiles Subjekt auf Kindergartenniveau.Unfassbar. Ein Grund niemals so ein Produkt zu kaufen.

  4. Horst

    Danke, dass noch mehr Menschen diese Werbung an Erwachsene absolut blöde ist. Ich frage mich nur, was denken sich die Werbeleute dieser Firma? Das Produkt kann ich niemals kaufen.

  5. Thom

    Die Werbung macht mich krank und agressiv. Manchmal will man nuch weglaufen

  6. Klaus

    Ich bin nun insgesamt doch verunsichert, in wie weit die Forscher und Entwickler bei Boehringer-Ingelheim sich tatsächlich mit der Bekämpfung von Schleimmonstern beschäftigen.
    Schlieslich versucht Werbung ja die Überlegenheit der eigenen Kompetenzträger vor der anderer Unternehmen ins rechte Licht zu setzen. Wenn man vor diesem Hintergrund die intensive Beschäftigung mit Schleimmonstern und die Darstellung der eigenen Kompetenzfelder des Unternehmens Boehringer auf diesem Forschungsgebiet betrachtet, bin ich versucht, anzunehmen, daß hier auch beträchtliche Finanzmittel versenkt wurden. Also habe ich versucht über Wiki näheres über den aktuellen Forschungsstand zum gemeinen Schleimmonster [Limo Monstrum] bei Boehringer zu erfahren.
    Da hier aber nichts Näheres in Erfahrung zu bringen war, gehe ich davon aus, das die Ergebnisse hier eher dürftig ausgefallen sind. Auch der wissenschaftliche Nachweis eines Schleimmonsters an sich scheint derzeit ebenfalls noch nicht gesichert zu sein. Vor diesem Hintergrund finde ich es sehr bedenklich, daß Boehringer für Mucosolvan tatsächlich eine Arzneimittelzulassung erhalten hat. Mit Nebenwirkungen ist zu rechnen.
    (ähnlich der derzeit stark diskutierten Stimmveränderung durch Polypenbildung nach einer Behandlung mit Yokebe)

  7. Otto Halux

    Suuuuper.. es ist immerwieder schön, zu erlesen, daß sich JEMAND AUSDRÜCKEN KANN…

  8. Pingback: Über Werbekults | Gescheuchten Igel

  9. Erika Benoit

    Oh du gnädiger Gott, an den ich ab sofort wieder zu glauben wage: ich danke dir auf Knien dafür, dass es offensichtlich noch Menschen gibt, die sich zu wehren wissen. Dieses Land besteht wohl doch nicht nur aus zurückgebliebenen, infantilisierten Dauerglotzern ohne Hirn und Verstand!!!
    Gequält von körperlicher Pein und seelischen Verwindungen sind wir kaum noch zur Gegenwehr fähig………..
    Liebe Autorin, lieber Autor, unsere Familie dankt Ihnen aus tiefstem Herzen und hofft, dass Ihnen noch einige Millionen weitere Klardenkende folgen werden.

  10. Regina

    Diese Werbung nervt mich ebenso wie die für die gelbe Schmerzcreme, deren Produzenten ältere Menschen wohl für außerstande halten, sich einen einsilbigen Namen zu merken oder zu notieren. Die Platzierung dieser Werbefilme ist leider oft so, dass man sie sieht oder zumindest hört, wenn man den Beginn der Nachrichtensendung nicht verpassen möchte.

  11. Löwenzahn

    Falls Ihr doch den Fernseher kurz vor acht einschaltet, bekommt Ihr auch das Gefühl, die Pharmawerbung ist nur für Geisteskranke gemacht? Da wird von Schleimmonstern und der Gelben Schmerzcreme gefaselt. Andere werben mit dem Kind im Ohr. Haben die noch alle Tassen im Schrank?

  12. Fridolin

    Patient, 30-40 Jahre, Opfer der modernen Werbung im Privat-TV, ernster und etwas besorgter Gesichtsausdruck: „Herr Doktor, ich bin erkältet und habe Schleimmonster in meiner Lunge.“

    *Kurze Stille – Arzt weiß nicht, ob er lachen oder weinen soll*

    …ob sowas schon in Arztpraxen vorgefallen ist?

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