Fernsehen in einer Dimension mehr

In den letzten Tagen war ich sehr in Versuchung, teile meines Ersparten für einen 3D-Fernseher springen zu lassen. Schließlich habe ich seit ein paar Monaten auch schon ein 3D-Handy in der Tasche, mit dem ich nicht nur selbst geeigneten Content erstellen könnte, sondern dass sich auch als Zuspieler für Inhalte aus dem Netz auf dem Fernseher eignen würde.

Bezüglich der Eroberung der Wohnzimmer durch die dritte Dimension war ich stets der Meinung, dass das so lange nichts wird, wie die benötigte Technik umständlich ist. Sämtliche Systeme mit Shutter-Brillen zum Beispiel sind für mich völlig unbrauchbar. Fernsehen ist ein spontanes Medium, will ich da ständig dafür sorgen, dass meine 3D-Brille aufgeladen ist? Und dass sie sich auch mit dem Fernseher vernünftig synchronisiert?

Aus weiteren Quellen hört man, bei der Shutter-Technik müsse man den Kopf gerade halten, um ein sauberes 3D-Bild zu sehen. Obwohl ich das nicht ganz nachvollziehen kann wäre das natürlich ungünstig für den Fernsehabend auf der Couch. Ein gewisses Gewicht haben die Brillen natürlich auch noch, denn es muss Technik und eine Stromquelle darin sein, und nicht zuletzt ist die Schaltfrequenz von 120Hz wohl nichts für lange Kinonächte.

Also merkte ich auf, als ein bekanntes Online-Kaufhaus mir einen 32 Zoll Fernseher mit 3D-Bildschirm zu sehr günstigem Kurs anbot. Jawohl, mir persönlich. Der Clou: es kamen Polfilterbrillen zum Einsatz, wie man sie aus dem jüngst wieder modernen 3D-Kino kennt. Der Vorteil: sie sind sehr leicht, kommen ohne Strom aus und daher auch günstig nachzurüsten. Außerdem ist das Bild bei diesem Verfahren heller, da nicht jedes Auge nur die Hälfte an Licht bekommt, wie bei Shutter-Brillen – zugegeben, einen gewissen Anteil des Lichts werden auch die Polarisationsfilter schlucken, aber viel kann es nicht sein.

Doch zum Glück gelang es mir, den „Sofort Kaufen!“-Drang in mir ein wenig zu bändigen und den Gedanken ein wenig hin- und her zu wälzen, denn schließlich ging mir folgendes auf: wenn auf einem Full HD Schirm gleichzeitig zwei Bilder für das rechte und linke Auge dargestellt werden, kann die Auflösung nach Adam Riese entweder in der Höhe oder Breite nur noch halb so groß sein. 3D-Fernsehen wird, soweit es das überhaupt schon gibt, im sogenannten Side By Side-Verfahren ausgestrahlt, das heißt in einem mit 1920×1080 Pixel normal großen Full HD Signal werden zwei Bilder gequetscht nebeneinander übertragen, der Fernseher ist dann in der Lage, dieses Doppelbild gemäß seiner 3D-Technik zu übersetzen.

Beim angebotenen 3D-Fernseher werden die Stereobilder jedoch nicht spaltenweise, sondern zeilenweise angezeigt, von oben nach unten immer abwechselnd. Folglich geht durch die Übertragung im Side By Side Verfahren bereits die Hälfte der Full HD Auflösung verloren – über die Hälfte sogar, wenn man es genau nimmt, denn zwischen den zwei Bildern befindet sich in der Mitte ein Trennungsbereich von einigen Pixeln Breite – und durch die zeilenweise 3D-Darstellung verlieren wir erneut die Hälfte der Bild-Information in der Höhe. Mit 960×540 Pixeln liegen wir dann schon fast unter der Auflösung des analog ausgestrahlten Fernsehens, und mal ehrlich, dafür kauft man sich doch keinen 3D-Fernseher?

Auf der Blu Ray, so heißt es, befinden sich beide Bilder eines 3D-Filmes in Full HD Auflösung, und ein System mit Shutter-Brillen könnte diese sogar voll darstellen. Da mir so etwas allerdings nicht ins Haus kommt, bleibt abzuwarten, wie der Markt sich entwickelt. Erste Displays, die ganz ohne Brille betrachtet werden können, stehen kurz vor der Marktreife, und würde man die Auflösung des Bildschirms bei einem System mit Polarisationstechnik einfach auf vierfach-Full HD hochschrauben, wäre auch hier ein vollaufgelöster 3D-Spaß denkbar.

Subtext: bitte überweisen Sie mir all Ihr Geld.

tldr: ich kaufe mir keinen 3D-Fernseher weil scheiße, gerade noch gemerkt.

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