An de Aap

Mal wieder in der Deutschen Bahn, bei meinem liebsten Hobby: Strom klauen. Nachdem ich bereits das Mobiltelefon bis zum Rand voll mit positiver Shanti Shanti Energie geladen habe, fülle ich nun auch noch den Akku meines Tablet PCs.

Auf dieser Strecke, das hat mir ein eisenbahnbegeisterter Twitterkontakt verraten, gibt es eine Baustelle, die Potential für bis zu dreißig Minuten Verspätung bietet. Sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt gab es daher vorsorglich Joghurt-Knusperkissen, um die Fahrgäste milde zu stimmen.

Allerdings scheint es auch so zu sein, dass der Zeitplan meines aktuellen Zuges es locker zulässt, in Wolfsburg eine Viertelstunde auf einen verspäteten ICE zu warten. Man werde so fahren, dass man bis Hannover wieder im Zeitplan sei, kam es kurz und knapp aus den Lautsprechern. Ja, wenn das geht, dann fahrt doch bitte so, dass ihr gleich eine ganze Stunde zu früh ankommt, ginge das nicht auch? Offenbar ist da ja noch Luft nach oben und der Zug ist auch nicht voll besetzt, also holt alles aus den Kesseln!

Ich befand mich aus sportlichen Gründen in Berlin. Die sechste Weltmeisterschaft im Affentennis wurde ausgetragen, und Jan Patat schied glorreich in der Vorrunde aus. Schuld daran war eine einzige Partie, in der ich den Auftakt gewann, dann jedoch durch zwei überdurchschnittliche Würfe hoffnungslos abgehängt wurde. Ziemlich sauer war ich, jawohl.

Aber so hatte ich den Montag über immerhin Zeit, Herrn Midimechanics und seine Familie mal in ihrem natürlichen Habitat zu besuchen und einen Club Mate am Müggelsee zu trinken. Am Nachmittag stand ich dann mühelos rechtzeitig zu den Halbfinals wieder auf dem Court.

Während der selbsternannte Musikschnittstellenmechaniker in einer sehr hübschen, aufwändig selbst renovierten Wohnung residiert, war meine Unterkunft, für die ich trotz der folgenden Ausführungen dankbar bin, eine WG in Neukölln, für die Miete zu verlangen eigentlich per Gesetz verboten sein sollte. Man mag streiten, an welchem Punkt im sozialistischen Altbau Charme und Renovierungsnotwendigkeit einander begegnen, hier jedoch stand dies außer Frage. Wenngleich sich die Bewohner allerdings auch offensichtlich nicht besonders viel Mühe geben, die Missstände ihrer Behausung in irgendeiner Weise innenarchitektonisch auszugleichen.

Es gehört zum Affentennis wie die drei Kilo Nudeln am Abend einer Tour de France Etappe für Lance Armstrong, den eigenen Alkoholpegel hochzuhalten, ja wenn nicht sogar noch weiteren, nicht näher benannten, dem Verfasser dieser Zeilen jedoch wohlbekannten Drogen zuzusprechen.

Obgleich auch ich dem ein oder anderen frischen Pils aus der originalen Springbrunnenkühlung gegenüber nicht abgeneigt war, war ich nicht gewillt, gleich die ganze Nacht durch zu machen, und nachdem sich das Glas eines Spielers, der später im Gegensatz zu mir noch die Endrunde erreichen sollte, am Samstag Abend wie von selbst füllte, und zwar mit dem selben Inhalt, den es zuvor enthalten hatte, nicht etwa mit dem gleichen, hatte ich genug und ich verließ das Schlawinchen, wo man eingekehrt war, um bei wenig Sauerstoff und schlechter Musik laut zu sein.

Und da ich darüber hinaus einen gewissen papabedingten Aufwachrhythmus mein Eigen nenne, hatte ich spätestens in der zweiten Nacht kaum Lust, wieder so alt zu werden, in dessen Folge ich mich mit dem Schlüssel zur vorgenannten WG in der M29 wieder fand und unter den Augen zahlreicher junger Männer mit Migrationshintergrund mit Frikadellenbrötchen transatlantischer Provinienz die Sonnenallee hinaus preschte, in die richtige Straße einbog, nachdem ich zuvor ausgestiegen war, nicht, dass hier jemand denkt, ich hätte den Bus selbst gefahren, und dort ein paar Minuten versuchte, das falsche Haus aufzuschließen. Wenige Minuten später im richtigen Block stand ich vor dem Problem, dass manche Schlösser in ostberliner Altbauten andersherum geöffnet werden, als es der Wessi gewohnt ist, aber darauf war ich vorbereitet. Dumm nur, dass gar nicht abgeschlossen war und ich die Tür zunächst selbst verschloss, bevor sie dann nicht auf ging und ich das Ganze rückgängig machen konnte.

Als ich auf meiner Isomatte lag, war es doch schon wieder zwei Uhr geworden, aber als mein Handy klingelte und der Gastgeber Einlass in seine eigene Wohnung verlangte, schien die Sonne und es war kurz vor sieben. Die anderen seien immer noch Dart Spielen, gab er zu Protokoll, bevor er nahezu augenblicklich einschlief.

Als ich heute Nachmittag Friedrichshagen verließ, war ich um ein Gepäckstück reicher: eine Babyschale, passend für einen Kinderwagen, der bei uns zwar inzwischen ausrangiert scheint, aber mit diesem Zubehörteil aufgewertet ja vielleicht noch mal einen ganz guten Preis auf dem Second Hand Markt bringen könnte.

Noch ist mir schleierhaft, wie ich die klobige, wenn auch nicht allzu schwere Schale gleich vom Hauptbahnhof in die autofreie Siedlung bekomme, jedoch werde ich dieses Problem nicht jetzt bearbeitet, sondern ad hoc, just in Time, in situ.

Mein Zug hat mal wieder gehalten, wegen hohen Betriebsaufkommes sagt die Stimme aus den Lautsprechern. Müßig zu fragen, ob der Bahn nicht eigentlich im Vorhinein klar sein müsste, dass sowas passiert, wo doch die Züge alle nach Fahrplan fahren?

Ich probiere nun, diesen Artikel hochzuladen. Wenn ihr ihn lest, hat es geklappt.

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