Es värde Licht

Gerne bekäme ich Geld, um in miesen Wortspielen IKEA Produkte im Titel meiner Blogeinträge zu nennen. Leider ist dies nicht der Fall. Dass ich es dennoch tue, beweist meine Absicht, bereits in der Überschrift auf humoristische Art und Weise zum Thema des Artikels hinzuleiten, denn siehe, dieser Erguss handelt von Küchen.

Zuvor sei noch erwähnt, dass es sich mit dem Nennen von Möbelhäusern im ersten Absatz genau so verhält, wie mit dem darin behandelten Umstand. Nada.

Dem geneigten Leser dürfte bekannt sein, dass sich meine kleine Familie im Mai in eine neue Behausung verlegt, die mit allerlei Schmankerl ausgestattet ist. Was sie allerdings nicht bereit hält, ist eine vorinstallierte Kochmöbelsammlung. Stattdessen nur ein leerer Raum mit Wasseranschlüssen zur rechten, Fenster frontal, Wand zur linken.

Als einen der größten Aspekte des älter werdens nehme ich immer wieder die Bereitschaft wahr, bei Produkten und Dienstleistungen den Premium-Weg einzuschlagen. Wo man sich als Schüler, Student, Azubi, Single noch mit einfachsten Lösungen wie einer doppelten Kochplatte auf dem Kühlschrank in der Diele zufrieden gab, steht nun, die 30 lässig hinter sich gelassen, plötzlich der Wunsch nach einer bequemeren und umfassenderen Lösung im Raum.

Da insbesondere ich nicht gewillt war, etwas derartig komplexes wie eine Einbauküche mittels meiner zwei linken Hände eigenständig zu errichten – man erinnere sich nur an meine, übrigens vom Baumarkt Hornbach mit großem Interesse wahrgenommenen Ausführungen zum Tapezieren – besuchte ich nach kurzer Internetrecherche einen ortsansässigen Küchenausstatter.

In einem kurzen Vorgespräch steckte ich die Grenzen ab. Ich betrachtete die mannigfaltig dargebotenen Lösungen für das vollendete Verstauen von Töpfen und Pfannen, das schnellstmögliche Erhitzen von Gerichten auf Magnetfeldern, wenngleich dies, so eine Insiderinformation eines Ingenieurs, der für Miele tätig ist, mit nur ein wenig Blumendraht zum perfekten Mordkomplott ausgebaut werden kann, sowie das Kühlen von Gemüsen und das Waschen von Geschirren.

Ein paar Tage später fanden wir uns erneut dort ein, ließen uns nieder und planten mit dem weniger schmierigen von zwei anwesenden Mitarbeitern eine Küche. Dies und das ward eingebaut, Unterschränke, Oberschränke, Herde, Kühlschränke, Fronten, Mülleimer, Schubladenelemente, kurzum, alles, was eine moderne Küche so braucht.

Am Ende dieser beinahe zweistündigen Angelegenheit, die im Übrigen von dem Küchenfachangestellten verlangte, in seinen Computer stets Dinge wie „mh-90-s“ oder „p,84-2l-x,,14“ einzutippen – offenbar ist auch für das Planen von Küchen ein abgeschlossenes Informatikstudium unabdingbar – faltete der Kaufmann seine Hände, ließ die Knochen knacken und fragte süffisant, was wir denn nun dächten, dass diese, von ihm selbstverständlich perfekt zusammengestellte Küche uns kosten würde, offenbar im Brustton der Überzeugung, eine wirklich günstige Variante für uns geschaffen zu haben.

Ich hatte bereits ein kleines Fenster mit der Überschrift „Gesamtpreis“ erspäht, in dem eine Zahl wohnte, die gut das dreifache von dem betrug, was ich im Vorgespräch als Rahmen abgesteckt hatte und hielt die Luft an.

Sandra vermutete wenig optimistisch einen Preis jenseits der 6.000,- Euro.

Der Büttel lüftete das, was er für ein sagenhaftes Angebot hielt: 9.357,56 Euro, für uns aber natürlich nur – ein paar Tippser auf dem Taschenrechner – 8.000,- Euro! Einmalige Gelegenheit. Schlagen Sie zu!

Oh ja, zuschlagen wäre vielleicht ganz angebracht gewesen. Mit der Faust allerdings. Ich hatte zuvor davon gesprochen, eine Küche zwischen drei und viertausend Euro erwerben zu wollen, und zwar inklusive aller Elektrogeräte und Einbau. „Da müssen wir wohl die halbe Küche kaufen“, entfuhr es mir, ein wenig fassungslos und beschämt, hatte ich doch Sandra und mir offenbar völlig ohne Not zwei Stunden Freizeit geraubt. Ob er sich denn eigentlich an unser Vorgespräch erinnere, fragte ich den Anzugträger, denn es war derselbe von einst. Nein, das täte er wohl nicht, gab er dummdreist zu. Nachdem ich ihn an meine ursprünglichen Vorstellungen erinnerte, besaß er noch die Dreistheit zu bemerken, dass wir uns das Gespräch dann ja hätten sparen können. Selbstverständlich mit dem Anhang, dass wir eine solche Küche nirgendwo zu dem Preis bekämen.

Ein gutes hatte die ganze Sache allerdings doch: seit diesem Erlebnis erscheint mir das Selber-Aufbauen einer IKEA Küche plötzlich wieder sehr attraktiv. Geläutert stürzten wir uns in den folgenden Tagen in die Planung des kulinarischen Raumes mit dem hauseigenen 3D-Designer des schwedischen Möbelhauses, und die mittlerweile wohl fünfzehnte Variation der Küche hat nach Rücksprache mit den IKEA-Azubis sowie unserem Haus- und Hof-Sanitärbetrieb auch ganz gute Chancen, eingebaut zu werden.

Mit allen Elektrogeräten inklusive Dunstabzugshaube für 2.700,- Euro und 95 Cent.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Belanglosigkeiten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s